Mit dem Rücken zur Wand – Tagblatt 02.06.2017

Abstiegsrunde Die NLB-Frauen des FC St.Gallen spielen morgen gegen Kloten. Weil die Ostschweizerinnen vier Punkte unter dem Trennstrich klassiert sind, muss ein Sieg her.

Ives Bruggmann

Die Ausgangslage für die NLB- Fussballerinnen des FC St. Gallen ist heikel. Drei Spiele vor Ende der Abstiegsrunde liegen sie mit 25 Punkten auf dem siebten, und damit auf einem Abstiegsrang. Nur ein Jahr nach dem Abstieg aus der NLA droht gar der Fall in die 1. Liga. Im Spiel von morgen um 18 Uhr im Espenmoos gegen das bereits abgestiegene Kloten müssen die St. Gallerinnen dringend die volle Punktzahl einfah- ren, um den Anschluss nicht zu verlieren.

So kompliziert die Situation für das Team ist, so pragmatisch bereitet es der Trainer vor. «Es ist ein Meisterschaftsspiel, das wir gewinnen müssen. Ich schaue nicht auf die Tabelle», sagt Peter Jud. Er schaue jeweils darauf, was der kommende Gegner für eine Vorbereitung erfordere. Und versuche, in der Trainingswoche das Maximum aus den Spielerinnen herauszuholen sowie diese bestmöglich auszubilden.

Punkteabzug sorgt für Unverständnis

Ebenfalls zum Rückstand von vier Zählern trug ein Punkteabzug von drei Punkten bei. St. Gallen hatte im Spiel gegen Aarau Anfang April eine U19-Spielerin eingesetzt, die zwar eine Doppellizenz besitzt, aber trotzdem nicht im NLB-Team eingesetzt werden darf. «Ein komplizierter Fall, bei dem wir über das Detailreglement gestolpert sind.» Auch wenn das Urteil rein juristisch wohl seine Richtigkeit habe, sei es für den gesunden Menschenverstand nicht nachvollziehbar. «Wir fördern junge Schweizer Spielerinnen. Am Ende werden wir noch dafür bestraft», sagt Jud und spricht damit auch Teams an, die sich mit ausländischen Spielerinnen verstärken.

Doch die Saison ist noch nicht zu Ende. Noch ist für St. Gallen alles möglich. Den Spielerinnen macht Jud ein Kompliment. «Die Trainingspräsenz liegt bei knapp 95 Prozent.» Auch der ganze Trainer-Staff leiste gute Arbeit. «Im Vergleich zum Beginn der Saison stelle ich in unserem Spiel eine deutliche Steigerung fest.» Die Spielanlage sei gut, der Fussball, den sein Team spiele, technisch und taktisch auf einen überdurschnittlichen NLB-Niveau. Zwei Defizite macht der Trainer jedoch aus: die Kaderbreite und «eine Spielerin, die den Unterschied ausmacht und auch eine gesunde Frechheit mitbringt». Das habe aber auch mit dem Substanzverlust zu tun, den sein Team in den vergangenen Jahren erlitt. «Viele gestandene Spielerinnen sind gegangen Jahr für Jahr.» Mit Nachwuchsspielerin- nen sei das Kader jeweils aufgefüllt worden. «Und das braucht halt Zeit.»

Ziele bleiben unverändert

Noch stehen drei Spiele an, um den Abstieg abzuwenden. Das Szenario 1. Liga wurde aber bereits angesprochen. «Dann stehen wir wieder auf.» An den langfristigen Zielen ändere sich nichts. «Wir wollen ein Verein sein, der etwas bewegen will und auf junge Spielerinnen setzt und diese nachnimmt», sagt Jud.